Faslamsclub Brackel

Wi kümmt jümmers wedder!

Faslamsursprung in Brackel

Es gibt nicht viele Forschungen über die Fastnacht in unserer Gegend und somit auch nicht nachweisbare Erkenntnisse. Birger Antholz hat 2005 seine volkskundlichen Nachforschungen veröffentlicht: „ Faslam, Deskription des norddeutschen Kanevals im Landkreis Harburg“. Er muss dabei allerdings auch auf vielfach nur mündlich Überliefertes oder entsprechend Niedergeschriebenes zurückgreifen, auch wenn einige Zeitungsrecherchen erfolgten. Die Bezeichnung Faslam ist noch nicht alt. Die frühere Bezeichnung war Fastnacht. Es gibt verschiedene Meinungen, wann diese Feste genau begannen und welchen Ursprung sie hatten. Ein Zusammenhang mit dem rheinischen Karneval lässt sich nicht herstellen. Auf unsere Gegend bezogen schätzt Antholz den Beginn in den 1860er-Jahren. Auch ist der Grund der Feier unklar. Religiöser Grund scheidet aus, da die Reformation derartige Feiern untersagte. Teilweise wird Lichtmess oder Winterwende angeführt. Einleuchtend (auch für Brackel) nennt Antholz: Anfang des 19. Jahrhunderts gab es auf jedem Hof noch Gesindel. Knechte und Mägde bekamen nur einmal im Jahr 3 Tage Urlaub. Dafür wählte der Bauer die Winterzeit aus, denn zu diesem Zeitpunkt war am wenigsten in der Landwirtschaft zu tun. Nach Weihnachten wurde es ruhiger. Diese Kurzferien waren der Höhepunkt des Jahres für das Gesindel. Wegfahren ging nicht, weil es kein Geld besaß. So war man vielmehr darauf angewiesen, das Beste aus den freien Tagen vor Ort zu machen. Das hieß Feiern. Doch dazu fehlte auch Geld. Daraus dürfte das Schnorren entstanden sein.

In dem Buch „Feste und Spiele des deutschen Landvolks“ von Prof. Dr. Eduard Kück1 und Prof. Heinrich Sohnrey, erschienen 1909 Deutsche Landbuchhandlung Berlin, heißt es auf Seite 55: Auch bei der bäuerlichen Fastnachtsfeier spielte das Einsammeln von Gaben eine wichtige Rolle. So feierte man auf der Geest des Kreises Winsen im Lüneburgischen „Fastlam“2 folgendermaßen3: Am Sonntagnachmittag wurde der bei der letzten Fastnachtsfeier auf einem Hofe im Mist oder Heidehaufen versteckte „Koembuddel“ (Branntweinflasche) gesucht und der Stock des Finders mit Bändern geschmückt; dann ging es mit Musik zum Festhause, wo der Tanz begann. Der Montag wurde mit Tanzen ausgefüllt. Am Dienstag sammelten die Burschen, die sich maskiert hatten, Würste und Eier; einer trug die zweizinkige „Speckgeffel“ (Speckgabel), auf die die Würste gehängt wurden, ein anderer, als Eierfrau verkleidet, einen Eierkorb. Den Zug begleitete die Musik, und in den Häusern wurde getanzt. Im Festhause bereiteten die Mädchen, die schon vorher gebacken und dazu von ihren Herrinnen Butter und Brot geschenkt erhalten hatten, das Essen, an dem sie sich ebenfalls beteiligten.

Hier der Text der Brackeler Schulchronik für 1904: Im Monat Februar findet in Brackel wie in den meisten Dörfern der Umgegend eine Fastnachtfeier statt. Diese beginnt am Sonntage mit dem Aufsuchen des „Kömbuddels“ (Brantweinflasche). Mit Musikbegleitung begeben sich sämtliche Festteilnehmer an den Ort, an dem die Flasche versteckt worden ist. Nachdem man diese gefunden hat, geht es zum Festlokal zurück, wo alsbald der Tanz beginnt. Am Nachmittage und Abend des folgenden Tages wird gleichfalls getanzt. Am Dienstage gehen die jungen Leute, von denen einige maskiert sind, von Haus zu Haus, um Würste und Eier einzusammeln, die abends zu dem von der Wirtin des Gasthauses, in dem die Feier stattfindet, bereiteten Kartoffelsalat verzehrt werden. Der Wirt, bei dem die Feier stattfindet, erhält als Vergütung für Hergabe der Räumlichkeiten und Bedienung der Festteilnehmer den Betrag von 30 M. Die Speisen und Getränke – ausgenommen Bier – werden von den jungen Leuten selbst angeschafft. Zur Deckung der hierdurch entstehenden Kosten zahlt jedes Mädchen 4 M. Der verbleibende Rest wird von den jungen Männern aufgebracht. Gewöhnlich muß jeder derselben 3-4 M zahlen. Zum Backen der Semmeln und Butterkuchen erhält jedes Mädchen von der Hausfrau 1 Pfund Butter, wofür diese am ersten Tage der Feier ein großes Stück Butterkuchen bekommt. Gäste sind stets willkommen. Diese werden mit Kaffee, Grog und Branntwein bewirtet und zahlen hierfür nach Belieben bei einer stattfindenden Sammlung. In der geschilderten Weise ist in hiesiger Gemeinde seit alter Zeit her Fastnacht gefeiert worden. (Nachtrag Steincke: Auf diesen Artikel ist hingewiesen in dem Buche „Feste u. Spiele des Deutschen Landvolkes“ von Kück und Sohnrey, Berlin 1909.)

1914 schreibt Hermann Steincke: Die Fastnachtfeier fand in diesem Jahr vom 1-3. Februar bei dem Gastwirt Garbers statt; die jungen Leute von Quarrendorf nahmen daran teil. Der Gastwirt Garbers erhielt für Hergabe der Räumlichkeiten 40 M. Am Dienstage wurden in üblicher Weise Würste und Eier gesammelt. Jedes junge Mädchen hatte zur Deckung der Unkosten 4 M zu zahlen, während die Gäste einen Geldbetrag (Gabe) entrichteten. Der ungedeckte Betrag wurde durch die jungen Männer aufgebracht. Der Fastnachtsvater sorgte für Anrichtung der Speisen und Getränke. Nach dem Abendessen des letzten Festtages blieben noch 50 Würste übrig. Hiervon erhielten die 5 zum Militär eingezogenen jungen Leute4 aus Brackel und Quarrendorf je 8 Stück und die Aufpasser den Rest. Jeder Soldat erhielt außer den Würsten noch einen Betrag von 2,50 M, der durch eine Sammlung aufgebracht war. – (Die Feier verlief im Übrigen in der auf S. 29-31 d. Chr. geschilderten Weise.)5

Auf vorstehende Texte nimmt auch Hans Ulrich Voswinckel in seinem 1975 erschienenen Buch „Am Brackloh Dorf in der Heide“ Bezug. Auf Seite 120 ergänzt er zum Tanzen: Außer Walzer, Rheinländer und Polka wurden auch die alten schönen Gruppentänze, die sogenannten „Bunten“, getanzt. Da gab es Achterrüm, Lustigen vör’n Disch, Dreitritt und Dusenschön, dazu Quadrille und Polonaise. Zu den Musikern, die damals aufspielten, gehörten vor allem der Höker Louis Dringenburg und der Gastwirt August Buhr, echte Originale, die beide mehrere Instrumente spielen konnten und auf den Festen der Nordheide weit und breit zu finden waren.

In unserer heutigen i-Pad-Zeit sollte doch alles schnell über Faslam zu finden sein. Denkste! Wikipedia: Nur ein Kurzbericht aus dem Buch von Birger Antholz und Eigendarstellungen umliegender Famslamsklubs. Google: Ergebnis mager. Da passt ein Spruchbild, das ich kürzlich bei Matthies in Hittfeld sah: I don´t need google, my husband knows everything.

Heinrich Tödter, Stand Faslam 2015.

1 Prof. Dr. Eduard Kück, Lehrer in Berlin-Lichterfelde , gebürtig in Hollenstedt, hatte sehr engen Kontakt zu Lehrer Hermann Steincke, Brackel, über seine Forschungen über die Lüneburger Heide
2 Hier heißt es schon „Fastlam“
3 Nach der Schulchronik von Brackel (Kr. Winsen) und mündlichen Mitteilungen einer Altenteilerin.
4 Der 1. Weltkrieg stand kurz bevor (August 1914).
5 Gemeint: vorstehender Text von 1904